“Flieg Käfer flieg…” und andere unterhaltsame Reisen
Upps und schon wieder ist der April vorbei. Es ist erster Mai und ich sitze mutterseelenalleine am PC, muss richtig viel schaffen dieses Wochenende während meine liebsten Freunde mit Alster bewaffnet auf dem Faustgelände herumhängen, echt gemein! Aber grüsst mir bitte diesen besonderen Tag, nächstes Jahr um die Zeit habt ihr mich wieder….Ich stürze mich dann auch mal in die Welt der Weltwärtsberichte, mache Follow-up des Mamaworkshops, pflanze Blumenkohl mit den Kindern, organisier einen Fahrradparcour (Reward unseres Tokensystems) und treffe mich mit unseren Großen zur Brieffreundschaftsaktion (…obwohl ich doch so gern mal wieder einen Movie schauen wollte, aber die Schreibwut der Älteren ist nicht zu bremsen)…Darüber hinaus bin ich nun auch zur Krankenschwester für alle Fragen rund um die Gesundheit mutiert. Upendo, unser Mondscheinkind, wird jetzt jeden Tag mit einer fiesen Salbe behandelt, die man nicht auf die eigene Haut bekommen darf!Deswegen steigt unser Einmalhandschuhverbrauch enorm…außerdem hab ich Fußpilzcreme für EIN Kind gekauft und auf einmal wurde unser lieber Fungi all over an sämtlichen Füßen enttarnt.

Fungifrei, man weiss es nicht, aber aufjedenfall künstlerisch wertvoll
Ein Bienenschwarm hat unser Kinderdorf heimgesucht und nun rennen einige Mamas mit dicken Augen und angeschwollenen Wangen herum und schmieren fleißig mit Fenistil um sich. Ich muss wohl gerade mit meinem Rad im Dorf herumgekurvt sein, denn als ich wieder kam, war alles schon geschwollen. Mittlerweile kennt man mich sehr gut im Dorf. Weißes Mountainbike, weiße Frau, jeden Tag Kindergarten…und die Kleinen Berichten fleißig zu hause, was Teacher Wiebke wieder wildes angestellt hat. Neulich ist mir ein Kind am Wasserhahn vorm Kindergarten abhanden gekommen (bei 80 “Mwalimu (Lehrer)”…”Gari (Auto)”….”Kuchora (Zeichnen)”….schreienden kleinen Menschen verliert man auch manchmal den Überblick. Das Resultat war ein klatschnasses Fräulein Hadija, die von ihren bereits erwachsenen Geschwistern in meinen Klassenraum geschleppt wurde, peinlich! Deren einziger Kommentar “She likes to play with water” und ich “Yes”!
Seit ich hier in Afrika herumlaufe, hab ich meistens nicht das Gefühl, dass mir die Natur in irgendeiner Weise ernsthaft gefährlich werden könnte. Malaria hat mich bisher verschont und Christa hat mich mit Artemisia ausgestattet bis Nimmerleinstag. Danke, du bist ein Schatz!Mein Fahrrad hat Licht, Schlangen haben sich bisher immer versteckt und den Kaugummifrosch fand ich eigentlich ganz süß. Doch man soll sich nicht zu früh freuen…denn als ich neulich abends geschwinnt mit wehendem Haar meinen Weg zu Irene suchte, verirrte sich ein schwarzer Superkäfer in meinen mittlerweile viel zu langen Haaren. Das merkte ich aber erst beim Bierkaufen und zwar schmerzlich. Panisch fummelte ich in meinem Haarwust rum bis der Käfer kräftig in den Daumen und dann in den Kopf biss. Die Kioskgäste haben mir erst nicht geglaubt (so nen Käfer in soviel Haar ist ja auch schwer zu finden..:-)) und ihn dann mit bloßen Händen befreit und zerquetscht. Trotz eines dickroten Daumens und schmerzhaften Kopfes wurde mir versichert, dass der Käfer nicht giftig ist. Danach war ich Dorfgespräch Nummer eins. Großartig! Irgendwie lebt man ja doch auch viel näher an der Natur. So hab ich mein Zimmer nicht nur mit PEPO der Fledermaus, sondern mit Panya, der Ratte und einer kleinen Namenlosen Spitzmaus. Die Ratte habe ich gott sei dank erst am nächsten Tag zu Gesicht bekommen, nachdem sich mich eine ganze Nacht mit Nagegeräuschen geärgert hat. Nach dem Kindergarten bin ich auf große Suche gegangen und hab nur den langen Rattenschwanz aus dem Wäschekorb hängen sehen und schreiend die Flucht ergriffen (wie kann man nur so verweichlicht sein…)!Mama Oliva und vor allem die Kindermeute haben dann den Rest erledigt. Ratte aus dem Korb und die Kinder in wilder Verfolgungsjagd hinterher bis Abraham (eins der Kindergartenkinder), dass Rattenproblem mit einem Stück Gartenschlauch erledigt hat. Wahnsinn, da hatte es Panya bei mir doch nen bisschen besser. Fünf Tage später war die Kindermeute weniger erfolgreich, so dass ich unsere Katzen gewaltsam in mein Zimmer sperren musste, um mich auch noch von der Spitzmaus zu befreien. Seitdem hab ich Alpträume und warte auf den Augenblick bis schwarze Mamba Gast in meinem Zimmer ist.
…Und hier ein kleiner Eindruck, was sich sonst noch so in meinem Zimmer bewegt.

Tansanische Wespe
Letzte Woche bin ich dann auf große Reise gegangen, um Ingo nach Dar es salam zu bringen, tansanische Kinderbuchhandlungen nach brauchbarem Material zu durchsuchen und ein bisschen Sonne am Kikepeobeach einzufangen.
Auf dem Weg zum Bus findet man immer wieder Beweise dafür, wie schön afrikanische Kinder mit dem wenig vorhandenen grandiose und fantasievolle Spiele zustande bringen.

Spiel und Spass in Afrika
Vielleicht war es ein Kind aus unser ansässigen Dorfgemeinschaft oder auch nicht, man weiß es nicht.

out in the village
Der Strand war ein Traum und man könnte meinen, dass sich hier die Prominenz trifft. Neben einem Haufen Indern haben Ingo und ich überlegt, ob auch Tina Turner ihren Weg zum Kikepeobeach gefunden hat. Allerdings ein paar Jahre verjüngert.

T.T. am Strand
Die Rückfahrt mit dem Bus war geprägt von Fernsehen, was ist das? Lustige Bongoflavour Musikvideos auf Toschiba Flachbildschirmen wechselten sich mit tansanischen Soaps ab, in denen korpulente afrikanische Mädels sich mit coolen tansanischen Jungs ordentlich anzicken.

BONGO, here we go!
Ich war nach kurzer Zeit ziemlich angenervt und hab mich lieber meinem Buch als Kontrastprogramm gewidmet. “Tausend strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini, ein Buch bei dem ich seit langen mal wieder weinen musste. Somit waren die Hintergrundsoaps noch dreimal unerträglicher. Bitte unbedingt lesen!
Wieder im Kinderdorf angekommen, wurde ich von meinen lieben Kleinen großartig empfangen und kaum ist man wieder verschluckt von unserem kleinen Microcosmos Amani. Versuch eines Fotos.
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Sooo bevor ich mich nun endgültig zum Fahrradfahren verabschiede noch ein paar Facts (zum Wundern oder auch nicht) aus tansanischen Zeitungen:
- von vier Tansaniern kann einer weder Schreiben noch Lesen
- die KfW (Förderbank der deutschen Wirtschaft und Entwicklungsbank) unterstützt Iringas Wassersystem
- Iringa hat 196 762 Einwohner laut aktueller Statistik
- eine 67 Jahre alte Frau wurde in einem tansanischen Dorf nackt aufgefunden. Sie wurde von einer Meute verfolgt, die sie der Hexerei bezichtete
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