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Mwezi wa pili ilikwanza…(der Februar hat begonnen…)

…und es gibt schon wieder eine Menge zu berichten, wo man doch eigentlich meint das Dorfleben folgt einer gemächlichen Langsamkeit. Tut es auch und trotzdem gibt es für uns Wazungus immer neue Erkenntnisse. Jede Reise bietet auch immer tausend Möglichkeiten neue und interessante Menschen kennen zu lernen und so bin ich auf meiner Rückfahrt von Mbeya Patrick begegnet, einem ehemaligen Soldaten, welcher im Kosovo war und von dieser Zeit ein schlimmes Trauma mit nach Hause gebracht hat. Jetzt lebt er in Mbeya verteilt Aidsmedikamente in tansanischen Dörfern und begleitet Aidskranke, die von der Dorfgemeinschaft verstoßen wurden, bei ihrem letzten Weg. Er hat von einem 16 jährigen Mädchen erzählt, der er nicht mehr helfen konnte, außer sie in den Arm zu nehmen und ihr so das Gefühl zu geben, geliebt von dieser Welt zu gehen. Diese Geschichte hat mich doch sehr berührt und ich war von Patrick und seiner Arbeit sehr angetan. Aids ist in Tansania, wie in vielen afrikanischen Ländern ein großes Problem, von dem wir bisher im Alltag eher wenig mitbekommen haben (außer das wir mit Aidswaisen arbeiten, deren Vorgeschichte wir kennen). Es wird einfach nicht thematisiert und wenn ein Mensch jung stirbt, dann zumeist an einer Krankheit, die, aufgrund der Immunschwäche Aids, einen gravierenden Verlauf nimmt. Ein einziges Mal hab ich mit Alberto, einem unserer Mitarbeiter, über das Thema gesprochen. Die Region Mbeya im Süden von Tansania, wo auch Patrick arbeitet, ist weit schlimmer betroffen als die Gegend Iringa. Dort hab ich auch zum ersten Mal Plakate mit der berühmten roten Schleife zur Aidsprävention am Wegesrand einiger Dörfer entdeckt. Allerdings sprechen die vielen Waisenhäuser, die es in Tansania fast überall gibt ihre eigene Sprache.   
Aber natürlich verfolgt einen das Thema doch im Alltag. So hat Irene nun die Schuluniformen für die Kinder schneidern lassen. Alle waren unheimlich stolz und natürlich ist so ein Ereignis (anprobieren, Foto etc.) toll für die Kleinen, da es nun ernst wird mit der Schule (so wie bei uns die Schultüte eben…).

Stolze Kinder & fragliche Rituale

Stolze Kinder & fragliche Rituale

 Und trotzdem saßen zehn Kinder unter unseren mittlerweile 70 Kleinen, deren Eltern bzw. Großeltern sich dieses Kleidungsstück nicht leisten konnten. Sie mussten sich auf die andere Seite setzen und wurden nochmal kräftig ermahnt ihre Eltern (Großeltern) an das Geld zu erinnern. Natürlich war das auch mit Tränen verbunden und Irene wollte diese Kinder systematisch vom Kindergarten ausschließen.Seitdem bin ich kein Fan von Schuluniformen als Ausschlusskriterium für die Kinder mit zu wenig Geld. Die Kinder sind immer noch dabei und wir pfeilen an der Möglichkeit ein paar Spendengelder dafür auszugeben. Trotzdem ist hier Vorsicht angesagt, weil das Geben von Spenden für Einzelpersonen natürlich auch viele Konflikte heraufbeschwören kann und Ungerechtigkeitsgefühle weckt. Die Anschaffung von Allgemeingut für den Kindergarten ist da einfacher. Der Unterricht läuft so seinen Gang und meine kleine Kindergruppe von nur 20 ist zeitweise ganz schön frech, wenn ich mich mit Ihnen durch das Land der kleinen Zahlen und Vokale kämpfe.

Das Land der kleinen Zahlen und Buchstaben
Das Land der kleinen Zahlen und Buchstaben
 Einige Rituale hingegen klappen schon ganz gut und so haben wir es heute geschafft mal einen ordentlichen Kreis für ganze 3 Minuten zu halten. Reichte zumindest für das Foto:-)!
Auf der Suche nach Disziplin

Auf der Suche nach Disziplin

Dagegen sind Unterrichtsgespräche immer noch schwierig, da die Kinder anstatt auf meine Frage zu antworten immer noch die Frage wiederholen. Nachsprechen ist nun mal der beliebteste Lernweg in tansanischen Schulen, dem ich mich dann doch ab und an wieder beugen muss. Ich wundere mich immer wieder, wie diszipliniert die Kinder dann doch sein können, wenn Irene das Zepter in die Hand nimmt.
Strenge Lehrer und disziplinierte Kinder

Strenge Lehrer und disziplinierte Kinder

Ein typischer Stundenanfang eines jeden Morgens in Mbigili. Simama vizuri! (= Steht ordentlich). 
…und nach so einem Vormittag bin ich schon manchmal ganz schön fertig, so dass der 35 Minuten Weg in der Mittagshitze eine grandiose Freude darstellt (meistens werden aus 35 ganze 60, da man sich an jeder Dorfecke noch über die aktuellen Befindlichkeiten der Familie austauscht). Und so sieht der Weg mit 10 Liter Wasser auf dem Kopf aus, denn das wurde uns neulich im Kinderdorf aus unerfindlichen Gründen abgestellt. Dann haben wir selber mal was mitgenommen.
Ein langer Weg
Ein langer Weg
Im Dorf Mbigili wird im Übrigen neben Kisuaheli die alte Stammessprache der HeHe gesprochen. Es hat mich einige Mühen gekostet schon wieder eine neue Begrüßungsformel zu lernen. Man begrüßt sich beidseitig mit Kamwene (Moin), geht dann über zu Unogage (Wie gehts?) und endet mit Ndimnofuhela (Alles gut, oder so ähnlich:-)). Unogage hab ich oft mit meinem alkoholischen Lieblingsgetränk Konyage verwechselt, was zu ausgiebigen Lachern geführt hat. Uppsss:-)!
Morgens begegnet mir auch manchmal eine Herde gemächlich dahin schleichender Kühe, die mich jedes Mal auf das nächste Maisfeld rennen lassen. Man weiß ja nie, wann so ein gehörntes Tier auch mal durchdreht. Ich glaube, manchmal denken die Tansanier, was ist das nur für verweichlichte Mzungufrau.
Verrückte Kühe
Verrückte Kühe
Am Samstag war dann Feldarbeit mit unseren Kids angesagt. Denn diese sollen a la Learning by Doing auf ihrem eigenen Feld mehr über den Ackerbau lernen. Ich hab dann einfach mal kräftig mitgeholfen und mich sogleich mit einem Termitenhaufen angelegt. Der zischende Haufen (die sind ohnegleichen Laut, wenn man die Biester stört) hat nur mir ein paar schmerzhafte Pinkelmale verpasst, obwohl ich mich mit ordentlichen Schuhen ausgestattet hatte. Im Gegensatz zu unseren Kindern, die in Flipflops oder barfuß übers Feld gelaufen sind. Versteh ich gar nicht, ist das auch wieder so ein Problem der Hautfarbe:-).
Termitenkampf

Termitenkampf

Meine Kamera hab ich vor lauter Schreck Florian in die Hand gedrückt, der sich erstmal in Selbstporträts geübt hat.
Starke Männer und das ohne Fitnessstudio

Starke Männer und das ohne Fitnessstudio

Und zack kam auch schon das Unwetter übers Feld gefegt. Das geht hier schneller als man denkt. Sonnenschein pur und sturmartige Regengüsse. Hier ein Vorbote zwischen den Bergen.
Wetterwechsel
Wetterwechsel
Und der Regen hielt dann doch bis in die kommende Woche hinein an. Die wenigen Regenjacken und Schirme wurden unter den Schulkindern verteilt und noch ein paar große Blätter aushilfsweise benutzt. Irene war sich da mit der angemessenen Schuhmode nicht ganz einig, aber klar war, dass die Wollsocken auf jeden Fall ins Sortiment gehören.
Wollsocke trifft Schuh
Wollsocke trifft Schuh
Jan und ich haben die Woche für eine Hospitation in der Primaryschool genutzt und durften einen tieferen Blick ins tansanische Schulsystem werfen. Ohohoh, ich weiss nicht genau, wie diese Kinder so wirklich lernen können. In meiner Klasse waren schätzungsweise 80 Kinder, aber nur 15 Bücher. Es wurde laut vorgelesen, so dass zwei Reihen in ein Buch gucken mussten. In die Bank gequetscht, nach hinten umgedreht, sich selbst verbogen und irgendwann abgeschaltet. Danach wurden die Fragen aus dem Buch auf die gleiche Weise abgeschrieben. Einen Stift hatte ich zufällig dabei, den ich gleich an ein stiftloses Kind weiter verschenkt habe. Die zweite Hospistunde haben Jan und ich dann gleich übernommen, da der Lehrer ins Krankenhaus musste. Englisch bilingual unterrichtet a la Jan und Wiebke mit dem Globus auf dem Tisch und total Mzungu verschüchterten Schülern. Eine Erziehung zur Mündigkeit, das Schlagwort meines Studiums, ist das auf jeden Fall nicht.
Ein bilingualer Versuch

Ein bilingualer Versuch

Am Wochenende drauf war ich dann in Daressalam zum Zahltag im Immigrationoffice und man sage und staune bisher ist alles ohne Ukiritimba (= Korruption) und wie besprochen über die Bühne gegangen. Die Aktion hat mich vier Stunden im I-amt, mindestens zwanzig Busfahrtstunden und ne Menge Nerven gekostet. Aber es hat sich gelohnt und wir holen nächste Woche unsere Resident Permit ab…hoffentlich. Nach der Aktion im Amt brauchte ich dringend Wochenende und hab mich in Dars Kulturzentrum gewagt, wo ich sogleich herausgefunden hab, wo es wirklich gute (wenn auch teure) Trommeln für den Kindergarten zukaufen gibt. Trommelkurse für weniger teuer im übrigen auch, oh wie schön. Im Handeln bin ich eigentlich nicht so schlecht, also gibt es nächste Woche viel Gepäck für die anstrengende Fahrt zurück.
Auf der Suche nach Musik

Auf der Suche nach Musik

Den Rest des Wochenendes hab ich dann am Kipepeo (Schmetterlingsstrand) von Dar verbracht, zu Bob Marley bei Vollmond getanzt, nen deutschsprachigen Rastafari aus Kenya kennen gelernt und nen Studenten aus Leipzig sowie alle münsteraner Freiwilligen aus Iringa getroffen. Reisen ist manchmal ganz schön aufregend.
Aber jetzt bin ich wieder zurückgekehrt ins beschauliche Mbigili, werde am morgigen Tag meine Sachen in heller Freude packen und mit Christa in eines der Kinderhäuser umziehen, wo wir uns ein gemeinsames Bett teilen. Wir müssen alle zusammenrücken, denn bald steht ne Menge Besuch aus dem kalten Deutschland an, aber dazu ein anderes Mal
Einen Blick in den afrikanischen Sternenhimmel und ich schicke verzauberte Grüße gen Europa in der Hoffnung, dass der ein oder andere in den gleichen schaut.

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