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Fitte Kinder brauchen Pizza, und die am Besten selbst gemacht…

Juni 20th, 2010 admin

Die letzten Wochen hab ich buchstäblich “alleine” ohne meinen lieben Kollegen Jan im Kinderdorf verbracht…Mamaworkshops geplant und durchgeführt, das Wochenende mit den Kindern gerockt und den Kindergarten im Dorf durcheinander gebracht. Neben einigen Konflikten mit meinen Kollegen on side war die Zeit ein bisschen lang und hart für mich. Kein Chipsy essen im Dorf (Weg zu weit und dunkel), kein Film gucken am Abend (Accu ist ein Weichei und überall wo ich mich abends aufhalte gibts auch keine Energie)….Und so hab ich die meiste Zeit alleine unter dem Sternenhimmel gesessen und mich auf meinen baldigen Urlaub gefreut. Irgendwann war auch Jan wieder da und hat sich postwendend mit Malaria ins Bett gelegt. Malerone ist wohl doch noch der beste Reisebegleiter für Sansibar und co. Hinterher ist man immer schlauer.
Viele Kinder haben sich nun aufgemacht, um in den einmonatigen Schulferien Bibi und andere Verwandte in der nächsten Umgebung zu besuchen. Bis dato ist aber viel passiert in Amani.
Und hier nun ein kleiner Rückblick:

Die Wochenendaktivitäten laufen überaus gut. Die letzten fünf Wochen habe ich geplant, eingekauft und mit meinen Kiddies Spass gehabt. Die Kinder haben mich mit Beziehung belohnt und ich merke von mal zu mal wie wichtig dieses Gefühl “Hier ist endlich mal jemand zu hause und interessiert sich für mich…” für diese Kinder ist.
Kochen…nein…Pizza war neulich ein lang ersehntes und leckeres Highlight. Wir haben Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Karotten etc. mit 15 Kindern, drei Messern und einem Brett geschnitten.

Fitte Kindern brauchen gutes Essen

Fitte Kindern brauchen gutes Essen

An diesem Punkt habe ich gemerkt, dass im Waisenhaus nie pädagogisch gearbeitet wurde. Es fehlt einfach an allem. Aber das wird sich bald ändern mit der Ankunft des Containers und Ingos Wiederkehr, der mir vor Kurzem versprochen hat, gerade für den pädagogischen Bereich Extraspenden zu sammeln. Zur Zeit gibt es für die Arbeit mit den Kindern (insbesondere für die Aktionen mit den älteren Kinder) noch kein Budget. Ich muss mich an dieser Stelle bei meinen Spendern bedanken. Wären diese Spenden nicht eingegangen, hätten wir mit weitaus mehr Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, unseren pädagogischen Ideen umzusetzen. VIELEN DANK!!!

Ein Beispiel für einen wirklich schönen Sonntag wäre unsere Bergsteigaktion. Obwohl die großen Riesen praktisch vor der Haustür liegen, hab ich und dementsprechend auch die Kinder, diese nur von Weitem gesehen. So hab ich eines Sonntags Wassermengen, Kinder und zwei unserer Studenten geschnappt und wir sind nach ganz oben gestiegen.

Mountainwalk

Mountainwalk

Ich war fertig und alle anderen glücklich. Das Highlight einer Soda als Belohnung am Ende unser Aktion hat alle in den Himmel der Glückseligkeit gestürzt.

Wiebke ist fertig...

Wiebke ist fertig…

Auch die Fussballweltmeisterschaft darf nicht so komplett an uns vorbeiziehen, auch wenn die Gefahr in Mbigili groß ist. Nach langatmigen Kämpfen mit dem ansässigen Staff haben wir uns nun das Recht für unsere Kinder erkämpft ein paar Mal beim Dorfvorsitz zu schauen. Und so haben wir heute Japaner Fussballspielen sehen und Ghana zugejubelt. Die Kinder und wissen leider immer noch nicht wie es ausgegangen ist. Die Dunkelheit brach über uns herein und der Amani-Internetstick ist auf unerklärliche Weise verschwunden….

Wie war das mit dem Fussball und dann auch noch weltweit?

Wie war das mit dem Fussball und dann auch noch weltweit?
Neben den vielen Wochenendaktionen und Fussball gibt es aber auch noch andere neue Ideen, die ich gerade umsetze. So läuft derweil einmal die Woche jetzt ein Fitnesskurs für die großen Jungs und Mädels – leider mangelt es oben und unten an Sportklamotten, so dass wir zum Teil mit Schlappen und Jeans unsere Joggingstrecke bewältigen. Obwohl unsere Kiddies alle schlank und rank und auf den ersten Blick sehr sportlich wirken, haben sie zwar Kondition, aber die Umsetzung von Übungen (zum Dehnen, Gleichgewichthalten und Muskulaturstärkung) fällt dann doch ganz schön schwer.

Der Mamaworkshop läuft wieder richtig gut und wenn ich Glück haben fangen wir mit viertelstündiger Verspätung fast pünktlich an. Lockmittel sind die Kekse, Bonbons und Müsliriegel, die obwohl reichlich vorhanden, immer gemäß der Vorratshaltung genommen und gebunkert werden. Das neue am Mamaworkshop ist dennoch der neue Mamaworkshop, der jetzt Di Vormittag stattfindet. Hier sollen die Mamas lernen sinnvoll mit Kindern zu spielen, neue Spielideen kennenzulernen und zu überlegen, wie man diese bestmöglich mit Kindern umsetzen kann. Also auf zum Topfschlagen, Schwänzchenfangen, Plumpssack jagen…
Olala

Olala
Außerdem hab ich jetzt Lina an meine Seite bekommen. Sie ist erst zwanzig, aber hat einen wunderbaren Draht zu den Kleinen, besonders zu unserem Sorgenkind Baraka. Der hat heute zumindest schon gefragt, wo seine neue Weggefährtin ab geblieben ist….und das ist auch gut so, denn die beiden müssen die nächsten zwei Wochen ein gutes Team frei nach dem Motto “Alles rund ums Klo” abgeben, denn hier muss der Baraka noch nen bisschen trainieren.

Vertrauensaufbau für ein neues Thema

Vertrauensaufbau für ein neues Thema
Zu guter Letzt gibt es natürlich noch ein Leben neben Mbigili….und so sind wir auch ab und an zu Partys mit Mottos a la Bad Taste eingeladen.

Mitumba des schlechten Geschmacks

Mitumba des schlechten Geschmacks

(Da macht das Shoppen auf dem Mitumba endlich einen Sinn…) oder wir fahren in den Urlaub. Diesmal bin ich und mein hoher Besuch aus Deutschland dran und wir werden eine kleine Tansania Rundreise begehen.
Auf und davon…und Tschüss!!!

ohne Kommentarohne Kommentar

Der Sprung in eine gute Zukunft?

Mai 15th, 2010 admin

Irgendwie bewegt sich viel und ist in Bewegung!Seit die Ärzte buchstäblich das Land verlassen haben, habe ich bereits die ersten wichtigen Schritte unternommen, um dem Kinderdorf mehr und mehr auch ein pädagogisch, stimmiges Profil zu geben. Die Kinder machen ihre Arbeit echt gut (Tokensystem) und dürfen dafür am Wochenende auch mal zur Waisenhausdisco, Fahrradfahren, Feuermachen, Berge erklimmen und Vieles mehr. Die Mamas haben mit mir einen Stundenplan erarbeitet, indem definierte Zeiten vorgesehen sind, die nur mit den Kindern verbracht werden, idealerweise in einer GEMEINSAMEN Aktivität. Die Aktivitäten werden jede Woche in einen neuen Plan eingetragen, den ich für die Mamas aufhänge. Jetzt sieht man nachmittags nicht mehr gelangweilte, alleingelassene oder hart arbeitende Kinder, sondern echte Gelegenheiten zum Spielen, Lernen…und auch Gruppenspiele, die die Kinder gemeinsam spielen, weil sie jetzt Zeit dafür haben. Diese Pädagogik spricht dafür Kinder zu selbstbewussten, eigenverantwortlichen Individuen heranwachsen zu lassen und je älter sie werden ihnen auch mehr Freiräume zu geben und sie in ihrer Unabhängigkeit zu stärken. Nur so kommen unsere Kinder, meiner Meinung nach, alleine gut klar…können vielleicht studieren und viel aus ihrem Leben machen. Das versuche ich gerade gemeinsam mit dem Staff zu erreichen. Trotz des guten Startes laufe ich gerade gegen einen Sandsturm an, da viele unterschiedliche Interessen, Meinungen und Erwartungen aufeinanderprallen. Strikte Verbote für Kinder werden angedacht anstatt produktive Zusammenarbeit und Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder scheint ein Grundsatz zu sein. Jetzt habe ich gerade Wochenende und die Enttäuschung der letzten Tage meinerseits hat sich ein bisschen gelegt. Wir werden sehen, ob wir den Sprung in eine gute Zukunft schaffen. Der Weg ist auf jeden Fall nicht einfach, dass hab ich jetzt verstanden.

Der Sprung in eine gute Zukunft?
Der Sprung in eine gute Zukunft?

Trotz dem steinigen Weg will ich mich nochmal ganz doll bei meinen vielen Spendern bedanken, die mir den großen Fahrradkauf ermöglicht haben. Wir haben jetzt drei Fahrräder (nur für die Kinder).

Eine neue Freizeitbeschäftigung in Amani
Eine neue Freizeitbeschäftigung in Amani

Ich verwalte die Schlüssel und die Kinder kommen zu mir zur Ausleihe und versuchen sich erstmalig auf dem wackeligen Gefährt. Florian, unser Ältester, hat schon öfter Reparaturarbeiten für mich im Dorf erledigt, denn bei soviel Unerfahrenheit landet man auch mal auf der Nase. Platte Reifen, wackeliger Lenker, kaputte Pedale…Trotz Florians guten Job als Kurier und Reparaturmeister, darf er diese Aufgabe nicht mehr ausführen.

Große Kinder brauchen große Aufgaben
Große Kinder brauchen große Aufgaben

Aber er und Edgar sind echt gute Jungs, die jetzt auch die Kleinen mit unterrichten, damit diese mal besser fahren können, als unsere Älteren jetzt.

So lernt man Fahrradfahren<

Am dritten Mai durften 10 unserer Kinder für wenig Geld in den Ruaha Nationalpark. Das was eigentlich das absolute Touri-highlight ist, wird einmal im Jahr auch für den Normaltansanier bezahlbar gemacht, damit auch dieser mal weiß, wie ein Löwe in echt aussieht. Ich finds immer wieder erschreckend, wo ich überall in Tansania rumspringe und das wahrscheinlich 80% der Tansanier nie in ihrem Leben Sansibar sehen.

Jan und ich haben die begeisterte Kinderschar in Iringa abgeholt und sind hinten auf dem Pickup im Fahrtwind unter nächtlichem Sternenhimmel nach hause gefahren. Echt, schön! Bei Ankunft haben sie alle geschlafen…

Müde war ich auch und war schon dabei mein Zimmer rattensicher zu machen, Fenster zu schließen und Ecken auszuleuchten, als ein SOS komm sofort mit deiner Kamera zum Farmhaus Anruf von Jan kam. Und das ist das Ergebnis einer erfolgreichen Schlangenjagd! Echte Jungs eben….

Hätten wir nicht unsere mutigen Jungs, hätte ich auch noch giftige Exoten in meinem Zimmer

Hätten wir nicht unsere mutigen Jungs, hätte ich auch noch giftige Exoten in meinem Zimmer

Def.. „Schwarze Mamba“

Die Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis) ist mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 2,50 Metern und einer Maximallänge von über 4,50 Metern die längste Giftschlange Afrikas.Die Geschwindigkeit, mit der sie sich fortbewegen, liegt bei maximal 20 km/h, wodurch diese Art zu den schnellsten Schlangen gehört.

Ihr glaubt jetzt bestimmt ich bin bescheuert, wenn ich euch erzähle, dass Panya Nr drei, diesmal in meinem Koffer gewütet hat. Angefressene Bücher, kaputte Vliesmütze (die ich hier gott sei dank sowieso nicht brauch), durchwühlte erste Hilfesets und ein kaputter Koffer. In ihr neues zu hause ist sie durch einen Schlitz gekommen. Ihr kennt dass doch bestimmt, wenn man den Reißverschluss schnell schnell zu macht und so nen kleinen Rest übrig lasst. Super Einladung für die Gattung Ratte. Ich hab das ganze Zimmer auf den Kopf gestellt und die Katzen wild gemacht, die mir schlussendlich den Koffertipp gegeben haben.

Und hier endlich die Dokumentation einer Rattenjagd:

Panyajagd (1)

Panyajagd (1)

Panyajagd (2)

Panyajagd (2)

Panya tot...pole!(3)

Panya tot...pole!(3)

Ich verlasse euch für diesen Monat mit bloggen mit einem letzten architektonischen Eindruck für meine Schwester.

Architektonische Wunderwerke

Architektonische Wunderwerke

Sorry, du, es gibt hier irgendwie keine beeindruckende Architektur, höchstens beeindruckend gefährlich und konzeptlos.Vielleicht schaff ich es in meiner nächsten Zeit in Afrika mal nach Kenia, Uganda, Südafrika…da könnt ich mehr Glück haben.

Aber Glück hab ich sowieso, weil ich im Juni / Juli mit Ninja, Charlotte und Klein Tansania bereise. Ich versprech euch Mädels es gibt aufregende Schiff- und Zugfahrten, wilde Tiere und Traumstrände, bis gleich ihr drei.

Zu guter Letzt noch ein paar Neuigkeiten aus den Daily News of Africa:

- ein 62-jähriger Mann begeht einen Selbstmordversuch, weil er seine beiden Ehefrauen in vierzig Jahren nicht schwängern konnte. 3 Monate Knast

- Region Kilimandsharo fehlen bald 1265 Lehrer, weil die Durchfallquote für das National Standart 7 Exam um 5% raufgesetzt wurde (jeder kann sich denken, was das für ein ohnehin schon qualitativ fragwürdiges Schulsystem bedeutet mit Klassenstärken von in Mbigili 120 Schülern…oh!)

- eine von drei Frauen in Afrika macht Gewalterfahrungen (Prügel oder sexueller Art)…51 (von 53) Staaten haben die Convention on the Elimination of Discrimination against Women (CEDAW) verabschiedet

“Flieg Käfer flieg…” und andere unterhaltsame Reisen

Mai 1st, 2010 admin

Upps und schon wieder ist der April vorbei. Es ist erster Mai und ich sitze mutterseelenalleine am PC, muss richtig viel schaffen dieses Wochenende während meine liebsten Freunde mit Alster bewaffnet auf dem Faustgelände herumhängen, echt gemein! Aber grüsst mir bitte diesen besonderen Tag, nächstes Jahr um die Zeit habt ihr mich wieder….Ich stürze mich dann auch mal in die Welt der Weltwärtsberichte, mache Follow-up des Mamaworkshops, pflanze Blumenkohl mit den Kindern, organisier einen Fahrradparcour (Reward unseres Tokensystems) und treffe mich mit unseren Großen zur Brieffreundschaftsaktion (…obwohl ich doch so gern mal wieder einen Movie schauen wollte, aber die Schreibwut der Älteren ist nicht zu bremsen)…Darüber hinaus bin ich nun auch zur Krankenschwester für alle Fragen rund um die Gesundheit mutiert. Upendo, unser Mondscheinkind, wird jetzt jeden Tag mit einer fiesen Salbe behandelt, die man nicht auf die eigene Haut bekommen darf!Deswegen steigt unser Einmalhandschuhverbrauch enorm…außerdem hab ich Fußpilzcreme für EIN Kind gekauft und auf einmal wurde unser lieber Fungi all over an sämtlichen Füßen enttarnt.

Fungifrei, man weiss es nicht, aber aufjedenfall künstlerisch wertvoll

Fungifrei, man weiss es nicht, aber aufjedenfall künstlerisch wertvoll

Ein Bienenschwarm hat unser Kinderdorf heimgesucht und nun rennen einige Mamas mit dicken Augen und angeschwollenen Wangen herum und schmieren fleißig mit Fenistil um sich. Ich muss wohl gerade mit meinem Rad im Dorf herumgekurvt sein, denn als ich wieder kam, war alles schon geschwollen. Mittlerweile kennt man mich sehr gut im Dorf. Weißes Mountainbike, weiße Frau, jeden Tag Kindergarten…und die Kleinen Berichten fleißig zu hause, was Teacher Wiebke wieder wildes angestellt hat. Neulich ist mir ein Kind am Wasserhahn vorm Kindergarten abhanden gekommen (bei 80 “Mwalimu (Lehrer)”…”Gari (Auto)”….”Kuchora (Zeichnen)”….schreienden kleinen Menschen verliert man auch manchmal den Überblick. Das Resultat war ein klatschnasses Fräulein Hadija, die von ihren bereits erwachsenen Geschwistern in meinen Klassenraum geschleppt wurde, peinlich! Deren einziger Kommentar “She likes to play with water” und ich “Yes”!

Seit ich hier in Afrika herumlaufe, hab ich meistens nicht das Gefühl, dass mir die Natur in irgendeiner Weise ernsthaft gefährlich werden könnte. Malaria hat mich bisher verschont und Christa hat mich mit Artemisia ausgestattet bis Nimmerleinstag. Danke, du bist ein Schatz!Mein Fahrrad hat Licht, Schlangen haben sich bisher immer versteckt und den Kaugummifrosch fand ich eigentlich ganz süß. Doch man soll sich nicht zu früh freuen…denn als ich neulich abends geschwinnt mit wehendem Haar meinen Weg zu Irene suchte, verirrte sich ein schwarzer Superkäfer in meinen mittlerweile viel zu langen Haaren. Das merkte ich aber erst beim Bierkaufen und zwar schmerzlich. Panisch fummelte ich in meinem Haarwust rum bis der Käfer kräftig in den Daumen und dann in den Kopf biss. Die Kioskgäste haben mir erst nicht geglaubt (so nen Käfer in soviel Haar ist ja auch schwer zu finden..:-)) und ihn dann mit bloßen Händen befreit und zerquetscht. Trotz eines dickroten Daumens und schmerzhaften Kopfes wurde mir versichert, dass der Käfer nicht giftig ist. Danach war ich Dorfgespräch Nummer eins. Großartig! Irgendwie lebt man ja doch auch viel näher an der Natur. So hab ich mein Zimmer nicht nur mit PEPO der Fledermaus, sondern mit Panya, der Ratte und einer kleinen Namenlosen Spitzmaus. Die Ratte habe ich gott sei dank erst am nächsten Tag zu Gesicht bekommen, nachdem sich mich eine ganze Nacht mit Nagegeräuschen geärgert hat. Nach dem Kindergarten bin ich auf große Suche gegangen und hab nur den langen Rattenschwanz aus dem Wäschekorb hängen sehen und schreiend die Flucht ergriffen (wie kann man nur so verweichlicht sein…)!Mama Oliva und vor allem die Kindermeute haben dann den Rest erledigt. Ratte aus dem Korb und die Kinder in wilder Verfolgungsjagd hinterher bis Abraham (eins der Kindergartenkinder), dass Rattenproblem mit einem Stück Gartenschlauch erledigt hat. Wahnsinn, da hatte es Panya bei mir doch nen bisschen besser. Fünf Tage später war die Kindermeute weniger erfolgreich, so dass ich unsere Katzen gewaltsam in mein Zimmer sperren musste, um mich auch noch von der Spitzmaus zu befreien. Seitdem hab ich Alpträume und warte auf den Augenblick bis schwarze Mamba Gast in meinem Zimmer ist.

…Und hier ein kleiner Eindruck, was sich sonst noch so in meinem Zimmer bewegt.

Tansanische Wespe

Tansanische Wespe

Letzte Woche bin ich dann auf große Reise gegangen, um Ingo nach Dar es salam zu bringen, tansanische Kinderbuchhandlungen nach brauchbarem Material zu durchsuchen und ein bisschen Sonne am Kikepeobeach einzufangen.

Auf dem Weg zum Bus findet man immer wieder Beweise dafür, wie schön afrikanische Kinder mit dem wenig vorhandenen grandiose und fantasievolle Spiele zustande bringen.

Spiel und Spass in Afrika

Spiel und Spass in Afrika

Vielleicht war es ein Kind aus unser ansässigen Dorfgemeinschaft oder auch nicht, man weiß es nicht.

out in the village

out in the village

Der Strand war ein Traum und man könnte meinen, dass sich hier die Prominenz trifft. Neben einem Haufen Indern haben Ingo und ich überlegt, ob auch Tina Turner ihren Weg zum Kikepeobeach gefunden hat. Allerdings ein paar Jahre verjüngert.

T.T. am Strand

T.T. am Strand

Die Rückfahrt mit dem Bus war geprägt von Fernsehen, was ist das? Lustige Bongoflavour Musikvideos auf Toschiba Flachbildschirmen wechselten sich mit tansanischen Soaps ab, in denen korpulente afrikanische Mädels sich mit coolen tansanischen Jungs ordentlich anzicken.

BONGO, here we go!

BONGO, here we go!

Ich war nach kurzer Zeit ziemlich angenervt und hab mich lieber meinem Buch als Kontrastprogramm gewidmet. “Tausend strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini, ein Buch bei dem ich seit langen mal wieder weinen musste. Somit waren die Hintergrundsoaps noch dreimal unerträglicher. Bitte unbedingt lesen!

Wieder im Kinderdorf angekommen, wurde ich von meinen lieben Kleinen großartig empfangen und kaum ist man wieder verschluckt von unserem kleinen Microcosmos Amani. Versuch eines Fotos.

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Sooo bevor ich mich nun endgültig zum Fahrradfahren verabschiede noch ein paar Facts (zum Wundern oder auch nicht) aus tansanischen Zeitungen:

- von vier Tansaniern kann einer weder Schreiben noch Lesen

- die KfW (Förderbank der deutschen Wirtschaft und Entwicklungsbank) unterstützt Iringas Wassersystem

- Iringa hat 196 762 Einwohner laut aktueller Statistik

- eine 67 Jahre alte Frau wurde in einem tansanischen Dorf nackt aufgefunden. Sie wurde von einer Meute verfolgt, die sie der Hexerei bezichtete

Heute dreht sich alles um das EI…wildes Ostern mit Kindern und ritualisierte Eierspeisen

April 8th, 2010 admin

Ostern ist nun vorbei! Ich habe lange nicht mehr soviel mit Eiern zu tun gehabt, wie in diesem Jahr. Jan und ich haben osterliche Bräuche sofort in die neue Pädagogik des Kinderdorfs einbezogen. Ein Mix aus der Arbeit der Ärzte und meinen bis dato Kenntnissen aus Studium und Referendariat sowie Jans Scoutwork, ist nun Knotenpunkt für unsere Arbeit im Kinderdorf. Ich leite einmal die Woche den Mamaworkshop mit verschiedenen Themen, das Tokensystem nimmt seinen Lauf und unsere fleißigen Punktesammler arbeiten diszipliniert und machen Action am Wochenende….und sind dabei mächtig stolz. Ich werde jeden Tag erwartet zu den Treffen. Morgens zur Arbeitsbesprechung sowie abends zur Reflexion. Die Kinder schätzen ihre eigene Arbeit (äußerst ehrlich) ein, die Hausmama gibt Feedback und sie malen ihre erworbenen Punkte auf ihr Namensschild.

Unsere hart arbeitenden Kleinen

Unsere hart arbeitenden Kleinen

Nur wenige Kinder haben noch Probleme ihre Arbeit nicht zu vergessen, aber da die Zusammenarbeit mit den Mamas so gut klappt finden wir viele Lösungen für die unterschiedlichsten Schwierigkeiten. Ich bin wirklich froh, dass die Mamas jetzt nach Lösungen ZUSAMMEN mit mir suchen und mich in meiner Arbeit ernst nehmen. Die Ärzte haben auch beste Vorarbeit geleistet und mich sofort ins Boot geholt und einige Male meinen Status als “Master of Education” fallen lassen. Peinlich, aber wirkungsvoll und jetzt klappts auch mit der Pädagogik. Unsere Wochenend – Eierausblas und Anmalaktion war dann auch ein voller Erfolg. Probleme gab es dann mit den Kleineren, die auch mit schmieren wollten, aber noch nicht im Tokensystem sind. Das ist erst ab Schulalter möglich, da kleinere Kinder eher direkte Belohnungssysteme brauchen, um einen Bezug zu ihrem korrekten Verhalten herstellen zu können. Thomas hat immer gesagt, biete einem kleinen Kind ein Stück Schokolade jetzt, gleich, sofort oder eine ganze Tafel am Ende der Woche an. Es wird sich garantiert für ersteres entscheiden. Gegen diese Eifersuchtsszenen gibts in Zukunft, aber auch Lösungen. Da unsere Mamas nicht mehr soviel kochen, sondern Zeit haben wirklich Mamas zu sein, können sie die Kleinen beaufsichtigen. Und so sind nicht nur die Kleinen ausgeflippt, sondern eben auch die Großen. Crazy Kids.

Crazy Kids

Crazy Kids

Das Ergebniswaren viele bunte Eier, stolze Kinder und ein leckeres Frühstück am nächsten Tag.

Buntes Treiben

Buntes Treiben

Die gleiche Zeremonie haben Irene und ich dann mit 80 Kindern im Kindergarten mit ordentlicher Erfolgsquote wiederholt. Es war nicht so chaotisch, wie ich angenommen hatte…so dass nur 20 Eier von 100 zu Bruch gegangen sind und wir die Kinder glücklich in die Likizo Pasaka (Osterferien) entlassen konnten.

Likizo Pasaka

Likizo Pasaka

Und damit auch keiner krank wird von soviel Eiern aus der Massenproduktion von Chicken Hoffmann, unserem Mbigili ansässigen Großmastbetrieb (so große, genmanipulierte(?)) Eier hab ich noch nie gesehen, echt!), war es nur gut, dass die Schule vor den Ferien noch einen großangelegten Gesundheitscheck durchführte. Jan und ich durften persönlich die Dokumentation des Spektakels übernehmen.

Medizin versteckt im Ugali

Medizin versteckt im Ugali

Messen nach Maß

Messen nach Maß

Bevor wir das Eierthema verlassen, möchte ich noch von Jans und meiner neuen Freizeitbeschäftigung berichten. Ritualisiert fahren wir jetzt einmal die Woche (mittlerweile mit FAHRRAD) ins Dorf und suchen uns ein Gericht aus der vielseitigen Speisekarte von Meilanc aus. Man hat es leicht sich nicht in der Speisekarte zu verirren und an vegetarischen Gerichten mangelt es nicht. Pommes oder eben Pommes mit Ei. Lecker! Vorreservierung erforderlich, denn um acht hatten wir schon schlechte Karten und mussten hungrig ins Bett.Reduzierte Speisekarte

Reduzierte Speisekarte

Ganz zum Schluss will ich noch einen Abschied ankündigen. Unser Chef, Ingo, macht sich auf den Rückweg nach Deutschland, um erst dann wiederzukommen, wenn ich eventuell schon weg bin. Ingo, was sollen wir nur ohne dich machen? Nicht nur ein wirklich großer Verlust in allen Fragen rund ums Kinderdorf. Ich merke schon hier wird einiges anders und vielleicht auch schwieriger. Dafür werden Jan und ich, aber doch noch die Pfannen in Kehäsi schwingen und Ingo ordentlich verabschieden.

Tschüss

Und Tschüss!

Außerirdische im Kindergarten und tanzende Umzugswut

März 28th, 2010 admin

Es ist wieder ruhig geworden im Kinderdorf, zumindest die deutschen Stimmen haben sich reduziert seit Maggi, Thomas und Leander ihren Weg nach Südafrika fortgesetzt haben, um sich weiter in wilde Arbeit zu stürzen. Ein anderer Teil der Ärztekombo sprich Martina wieder in Deutschland gelandet ist. Und noch ein anderer Teil sprich Elisabeth sich noch nicht verabschieden konnte / wollte. Wir waren alle traurig wieder auseinander zugehen. Es war eine wunderschöne, lehrreiche Zeit und ich hab das Gefühl viel sensibler für die Kinder und ihre Bedürfnisse geworden zu sein. Berühmte Theorien berühmter Kinderpsychologen haben mich wachgerüttelt. Jan, Ingo und mir blüht jetzt eine Menge Arbeit und schon wie angekündigt arbeiten wir an der Implementation eines Tokensystems ins Kinderdorf. Für diejenigen, die sich das nicht so ganz vorstellen können, gibt es zur Veranschaulichung ein Bild.

Tokensystem

Tokensystem

Wöchentliche Arbeiten der Kinder werden hier für alle transparent. Die Kinder besprechen mit ihrer Hausmama jeden Morgen den Arbeitsplan und bekommen am Ende des Tages eine entsprechende Punktezahl für gute Arbeit. Haben sie alles zu Mamas Zufriedenheit erledigt, können sie am Ende der Woche an einer Wochenendaktivität teilnehmen, die Jan organisiert. Eierauspusten, Pommesessen, Disko, Brennball, Tiere gucken…whatever…Die Kinder erledigen also ihre definierten Aufgaben und haben dann endlich wirklich Zeit zur freien Verfügung, sprich auch für Hausaufgaben und spielen. Sie reflektieren ihre Arbeit und werden ausdrücklich für gutes Verhalten gelobt (nicht nur durch den Wochenendbonus). Ich bin dabei zunächst Hauptverantwortliche, was bedeutet, jeden Tag um 6:15 zur Tagesbesprechung auf der Matte stehen. Nun ja, aber auf dem tansanischen Dorf ist frühes Aufstehen sowieso IN. Hamna Shida!
Wir bekommen zudem jetzt auch noch Unterstützung von drei Kochmamas, damit wir auch ja unser Gewicht weiter aufstocken können. Der Küchenlärm nahm kein Ende und so hab ich mal wieder meine sieben Sachen gepackt und versuch mein Bestes jetzt mit dem roten Haus als neue Unterkunft. Juhu…das gab einen Riesengaudi, als ein Umzugsteam aus unseren Kleinsten in meinem Zimmer Aufstellung genommen hatte und von Skamusik begleitet, den Umzug gemanaged hat. Ich hab Kleinteile aus Mündern gefischt, verloren gegangene Sachen wieder aufgesucht, zerbrochene Teile sofort entsorgt und ab und zu die Musik gewechselt, um die Kleinen bei Laune zu halten. Freddi und Pedro haben mit einer kleinen Tanzperformance ein gutes Team abgegeben. Tolle Kinder!!!

Dancing by Moving

Dancing by Moving
Der Kindergarten wird immer bewegter. In Anlehnung an unseren Lieblingssong “Kopf, Shoulder, Knees and Toes….Eyes and Ears and Mouth and Nose” haben wir angefangen kleine Menschen auf tafeln zu malen. Am Ende gibts dann ein “Ich habs geschafft” Foto, welches alsbald gedruckt und den Kindern als Geschenk für ihre Eltern nach hause mitgegeben wird. Ich befürchte damit setze ich einen Meilenstein und schenke den Eltern ihr allererstes Foto von ihrem eigenen Kind. Von außerirdischen Kopffüßlern bis perfekten Menschenbildern ist alles dabei.

Leben aus anderen Welten im Kindergarten

Leben aus anderen Welten im Kindergarten

...na ist da ein Ohrfetischist am Werke...

…na ist da ein Ohrfetischist am Werke…

Geplant ist auch endlich eine kleine Mahlzeit für die kleinen hungrigen Menschen anzubieten. Wahlweise kann Maismehl oder 500 Schillinge (25 Cent)  gegeben werden. Es ist manchmal unglaublich, dass die nur 2500 Schillinge ohnehin bis zum Ende des Monats noch nicht bezahlt sind. Das Geld für einen Monat Kindergarten entspricht einem Gegenwert von einer Soda und Chips Mayai (Pommes mit Ei). Bildung für wenig Geld und trotzdem müssen wir an manchen Tagen 30 Kinder nach hause schicken, da nicht bezahlt wurde. Pole, watoto (Arme Kinder)! Zwei von achtzig Kindern haben aber doch Kekse, Mandazi und Wasser mit und kämpfen gegen Mundraub.

Das Kindergartenmahl für Ausgewählte

Das Kindergartenmahl für Ausgewählte

Am Wochenende gabs mal wieder Scoutwork mit Jan und mir. Ab in die Mittagssonne zur Vorbereitung und da mal wieder 50 Sachen für unsere Vorbereitung im Kinderdorf vergessen wurden, hat Jan walking man gespielt und ich lustige Schattenspiele mit der Panga gemacht. Die Panga ist das Hauptverteidigungsmittel für alle unsere Watchmans gegen Schlangen, wilde Hunde und ungebetene Gäste. Dennoch gibts ab jetzt auch Pfefferspay, nur böse wenn der Wind falsch steht.

Gefährliche Schattenspiele

Gefährliche Schattenspiele
Letztes Woche hab ich endlich mal wieder einen Zug Freizeit eingeatmet und bin für ein ganzes Wochenende in die City gefahren bin. Ingo, Jan und ich haben ein kleines Häuschen angemietet und sind gerade am Einziehen. Es ist ein Traum und eine neue Bleibe fürs Ausspannen von frechen Kindern, anderes Essen essen, mal nen Bier trinken oder auch Konyagi. Wie das der Zufall so will ist auch noch John aus Dar vorbeigekommen und hat mit mir ne kleine Hauseinweihung gefeiert, bevor er wieder in seine Studistadt Leipzig zurückfliegt. Ein Haus mit bereits guten Erinnerungen, bis bald in Deutschland, Johnny!

Häusertaufe mit Konyagi

Häusertaufe mit Konyagi
Zu guter Letzt, bevor sich die Ereignisse der nächsten Wochen wieder häufen, ein kleiner Eindruck unser derzeitigen traumhaften Landschaft kurz vor der Regenzeit. Es blüht und wächst und ich bin immer noch die Walkinglady bis einschließlich Mittwoch. Zwei nagelneue Fahrräder werden von Adili und mir ins Kinderdorf gefahren. Alles Chinaimport, mal sehen ob sie die 40 Km nach Mbigili und folgende Fahrten in den Kindergarten überstehen. Surprise, surprise…ich werde berichten.

Kurz vor der Regenzeit

Kurz vor der Regenzeit

Zeit zum Denken mit Peter Lustig

März 14th, 2010 admin

Karibuni Karatu

Karibuni Karatu

Ein paar Tage noch bis Jan und ich unsere vier Monate voll machen. Deswegen ging es im März zu einer pädagogischen Denkpause nach Karatu. ARTEFACT, eine Partnerorga des SCI, veranstaltete ein Zwischenseminar im Norden von Tansania und da wir, als einzige Freiwillige vom SCI in Tansania diesbezüglich noch heimatlos waren, machten wir uns auf einen langen Weg nach Arusha.

Zwei Stunden warten auf den Bus, zwölf Stunden Busfahrt, eine Übernachtung in Arusha und zwei Stunden Fahrt durch die wunderschöne Massaisteppe brauchte es um in den kleinen Ort Karatu zu gelangen.Von hier kann man gut eine Safari in den Ngorogoro Krater unternehmen für schlappe 120 Dollar für 24 Stunden. Soll grandios sein, aber ich konnte mich diesmal nicht dazu durchringen im Tourikarussel mitzufahren.

Land der Massai

Land der Massai

Die Fahrt zum Seminar war schon spannend genug…ich hab mich nett mit zwei Massai unterhalten, die, wenn sie nicht gerade auf ihre 1000 köpfige Rinderherde im Nirgendwo aufpassen und sich vornehmlich von Rinderblut ernähren, auch ganz gern mal ein, zwei, drei….Pepsi im Bus genießen. Ein anderer Sitznachbarn hat mich sofort nach 2000 Schillinge gefragt, denn schließlich ist meine Haut doch weiß und das ist ein Zeichen für Reichtum. Logische Schlussfolgerung, so musste ich ihm schon erklären, dass ich gerade gar nicht wirklich bezahlt werde für meine Arbeit. Geld hat er nicht bekommen, aber dafür die Übersetzung der TAZ auf Englisch und damit einen aktuellen Einblick in das politische Chaos Deutschlands.

Das Zwischenseminar glich einer Endlosdiskussion über Entwicklungszusammenarbeit, -hilfe, Nachhaltigkeit, politisches Geschehen in Deutschland und wurde immer wieder von Werner alias Peter Lustig durch interessante Beiträge über das Kompostklo, die Biogasanlage und die Solardusche bereichert.

Werner unser Solarexperte (Seminarleiter Artefact)

Werner unser Solarexperte (Seminarleiter Artefact)

Interessant waren vor allem die Beiträge zum Schulsystem. Alle Wege pädagogischer Disziplinierung über das Token System, Schüler-Lehrer-Verträge, Portfolio zur Kommunikation über Leistung und Wecken von Lernmotivation etc. werden im tansanischen Schulsystem zum allergrößten Teil durch Präsenz des Stocks gelöst. Man muss sich natürlich fragen, was eine Gesellschaft für Menschen als Endprodukt einer langen Schullaufbahn haben möchte. Mündigkeit, Kreativität oder absolute Folgsamkeit? Jan (toller Beitrag) hat uns diesbezüglich einen Einblick in seine Arbeit in einer Secondaryschool in den Usambarabergen gegeben. Hier wird strikt durch gelernt bis Ultimo und auch von 19:00 bis 22:00 ist immer noch Anwesendheitspflicht im Klassenraum. Der Besitz von Kondomen hat den Schulrauswurf zur Folge, denn das kann ja praktisch mit deren Gebrauch gleichgesetzt werden und ist damit ein Verstoß gegen das Schulgesetz. Abgesehen davon wird die Verantwortungsübernahme für die eigene Sexualität sowie die Aidsprävention scheinbar total verkannt. Seit solch interessanten Erzählungen fang ich an die tansanische Zeitung etwas kritischer zu lesen. Wenn es wieder heisst die Rate der Schulschwangerschaften ist gestiegen und die Schulen sollen in die Verantwortung gezogen werden, Kinder davor zu bewahren, kann ich mir schulische Lösungsansätze bildlich vorstellen. Lernen, lernen, lernen….und das notfalls mit dem Stock, um Kinder rund um die Uhr zu beschäftigen und auf Leistung zu trimmen. Diese schulische Realtität des tansanischen Systems hat sich leider auch in meinen eigenen Augen oft bestätigt, wobei es bestimmt auch ein paar Ausnahmen geben wird. Neben solch aufschlussreichen Erkenntnissen hab ich aber auch noch das Pfeiffen mit zwei Fingern gelernt!

Pädagogische Weiterbildung

Pädagogische Weiterbildung

Ich hab es meine ganze Kindheit lang geübt und nie geschnallt, aber jetzt…..und werde in zukünftigen deutschen Klassenräumen für Disziplin und Ordnung sorgen.

Das Seminar haben wir dann erfolgreich mit einem Besuch einer ehemals deutschen Kaffeeplantage beendet, leider war gerade Erntezeit passe und außer Bohnen wurde hier nichts verarbeitet.

Maharage = Bohnen

Maharage = Bohnen

Ein schönes Seminar mit schon fast prominenter Leitung. Danke Werner für die gute Zeit und danke auch dem Rest für die tollen Diskussionen und schönen Abende.

Andere Länder, andere Gesetze…so ist das und die sollte man wirklich kennen oder eben keinen Scheiß machen. So kam mir neulich zu Ohren, dass zwei Freiwillige sich angeblich unwissend auf Drogenschmuggelgeschäfte eingelassen haben. Sie hätten mehrere Pakete mit unbekannten Inhalt für Geld über die Grenze gebracht, was aber vertraglich abgesichert war:-). Jetzt sitzen die besagten in irgendeinem afrikanischen Gefängnis und warten auf ihre Verhandlung, wunderbar. Und so kann das dann wahrscheinlich aussehen (Nachgestellt von Jo und Christian).

Das Leben ist kein Ponyhof

Das Leben ist kein Ponyhof

Meine Schwester aus der Baubranche hat mich neulich angeschrieben und gefragt, was denn die afrikanische Architektur so hergibt. Da hab ich erstmal gestützt und mich gefragt, ob es interessante Architektur überhaupt gibt. Bisher sind mir eine Menge Lehmhütten oder Kolonialgebäude begegnet. Es gibt bestimmt Sehenwertes, aber Tansania ist vielleicht nicht das richtige afrikanische Land und ich bin mir sicher es wird einen Nachtrag aus Kampalla / Uganda geben, wo ich mich im deutschen Sommer mit Wiebke treffe. Aber hier schon mal ein Vorgeschmack aus Karatu….

In Tansania wohnt man so….

Regierungsgebäude

Regierungsgebäude

oder eben so…

Eigenheim...die Zulage vom Staat war nich ganz so üppig

Eigenheim...die Zulage vom Staat war nich ganz so üppig

Nach gut einer Woche sind Jan und ich wieder nach hause gefahren…eigentlich wollten wir auch keinen Tag länger bleiben, um die spannende Arbeit von Thomas, Martina, Elisabeth und Maggie (Ärzte aus Deutschland) im Kinderdorfnicht zu verpassen.

Bisher wurden alle Kinder interviewt (Screening) und darauf folgend finden zur Zeit Therapien zur Traumataverarbeitung, als auch abendliche Workshops für das gesamte Team statt. Es geht um Aidsprävention, Bindungstheorien, Fallbesprechung, Parenting…alles super für mich und vieles ist mir nur zu gut aus dem Studium bekannt. Nächste Woche verlassen uns die Ärzte, Ingo fährt bald für ein halbes Jahr gen Deutschland….damit kommen auf mich und Jan große Aufgaben zu. Es wird viele strukturelle Änderungen im Kinderdorf geben. Wir brauchen andere Formen der Disziplinierung z.B. über ein Tokensystem, so dass sich Kinder für gute Arbeit und gutes Benehmen Extraaufmerksamkeiten oder Belohnungbekommen. Außerdem müssen wir den kleinen bessere Bindungsmöglichkeiten an eine Mama ermöglichen, um eine förderliche Entwicklung zu verstärken. Das muss aber alles noch umgesetzt und von uns beiden pädagogisch begleitet werden.Ich lerne gerade gefühlt mehr als im Studium und die Ärzte lassen uns an ihrer Arbeit teilnehmen. Großartig!

Neben pädagogisch–therapeutischer Unterstützung haben uns Thomas, Martina, Maggi und Elisabeth auch noch reich beschenkt mit einer Slakeline, die bisher auf der Beliebtheitsskala an Kinderspielen neben Simba ganz oben steht.

Erlebnissport im Kinderdorf

Erlebnissport im Kinderdorf

Trotz der Aufregung im Kinderdorf gehe ich noch jeden morgen fleißig meine halbe Stunde ins Dorf und starte meinen verschulten Kindergarten. Jetzt haben wir Dank Unterstützung aus München fertige Bänke und Tische, wo das Stillsitzen schon mit vier Jahren zur Perfektion geübt werden kann.

Schule oder Kindergarten?

Schule oder Kindergarten?

Ich habe jetzt die Gruppe der ganz Kleinen übernommen und mach meinen Unterricht draußen. Die Kleinen können sich noch nicht lange konzentrieren und ich versuche einfach viel mit Spiele mit Bewegung, ganz praktisches Lernen und nur wenig Stoff zu vermitteln. Damit näher ich mich wohl eher der deutschen Idee von Kindergarten an. Letzte Woche bin ich richtig wütend geworden, als ein Kind bitterlich geweint hat, weil es mit sechs noch nicht schreiben konnte. Unsere dritte Kollegin hat das anscheinend weniger gestört…

So fokussiert man Lernschwierigkeiten, herzlichen Glückwunsch!

Na gut ich will mich nicht aufregen, immerhin haben wir was zum Sitzen und das System zu ändern, ist glaub ich doch ein bisschen hoch gegriffen. Gerade lief der Ostsandmann in meinem Handy, dass sollte ein Zeichen sein, sich für diesen Monat von euch zu verabschieden und ne Runde Kinder knuddeln gehen…

Von der Entwicklung eines Kindergartens…und afrikanischer Musikkultur…

Februar 21st, 2010 admin

Ohhh die magische zwei Wochen Grenze ist schon wieder überschritten und ich hab erst jetzt wieder einen ruhigen Abend für meinen Blogeintrag gefunden, um meine fleißigen Leser nicht zu enttäuschen.
Im Kinderdorf hat sich in den ersten Wochen im Februar ein regelrechtes Fieber breitgemacht. Der Auslöser war dabei nicht Malaria, sondern Lymos Rückkehr (zweiter Chef und Mitgründer des Kinderdorfs neben unser deutschen Leitung Ursula) ins Dorf nach vier Monaten Deutschland. Es wurde fleissig gesungen, Erde von A nach B geschleppt, Gras mit den Buschmesser (in der Regenzeit!) kurz gehalten, weil unsere Kühe mit dem Fressen nicht nachgekommen sind.
Nebenbei hat Max unser neues Kälbchen das Licht der Welt erblickt.

MAX

MAX

Und auch der Kindergarten in Mbigili hat sich gemacht. Irene und ich haben Beete angelegt, die frisch bepflanzt noch ziemlich kläglich aussehen, aber die wir hoffnungsvoll pflegen. Darüber hinaus habe ich Stunden damit verbracht K A R I B U – C H E K E C H E A & W E L C O M E (Herzlich Willkommen im Kindergarten) in großen bunten Buchstaben zu produzieren und meterhoch mit Kleister festzukleben.

Karibu Sana

Karibu Sana

Jetzt fühlt man sich wirklich eingeladen in unserem kleinen Kindergarten, vielleicht schaffen wir es ja noch ein kleines Sommerfest für die Eltern auf die Beine zu stellen. Ein paar Trommeln für ein Musikstück sind zumindest schon gekauft. Das ist aber erstmal noch Zukunftsmusik.

In der Zwischenzeit, in der ich die musikalische Vielfalt Afrikas beim Busara Festival in Sansibar kennengelernen durfte, hat Frau Hess (Besuch aus Deutschland) mich wunderbar vertreten. Sie hat auch gleich eine ganze Ganitur an Inventar (Tische und Stuehle) für den Kindergarten bestellt, was eigentlich das Dorf anteilig für den Kindergarten übernehmen sollte, nachdem Amani das Gebäude gebaut hat. Naja…jetzt sind wir zumindest bald ordentlich ausgestattet.

Sauti za Busara

Sauti za Busara

Und auf ging es dann letzten Dienstag mit ordentlich Vorfreude im Rucksack für eine Woche in den Osten dieses wunderbaren Landes auf die Insel Sansibar. Nach zehn Stunden im Bus und drei Stunden Fährfahrt (Reisen in Tansania ist sowas von anstregend) haben wir Land entdeckt. Auch ein paar Schiffe, deren Segel mit Wali- (Reis) säcken ganz wunderbar die Insel umkreist haben. Not macht erfinderisch. Ich bin immer wieder begeistert, was in Afrika noch praktischerweise Verwertung findet.

Segelschiff aus Reissäcken

Segelschiff aus Reissäcken

Das Busara Festival war ein so friedliches Festival mit einer tollen Mischung aus gut gelauntem Publikum jeglicher Hautfarbe. Love, Peace and Happiness….

Black & White

Black & White

Und so haben sich alle Rastafaris Tansanias und darüber hinaus in Sansibar versammelt….selber Musik gemacht, Selbstgemachtes verkauft oder einfach nur das tolle Festivel genossen.

selbstgemachte Künste

selbstgemachte Künste

Unter den Künstlern waren u.a. die Sosolya Dance Academy aus Uganda, welche ihre Wurzeln in den Slums von Kampala begründen. Sie wollen junge talentierte Menschen fördern und so den Teufelskreis der Armut durchbrechen.

Sosolya Dance Academy

Sosolya Dance Academy

„Ba Cissoko“ beeindruckte mit einer grandiosen Performance eines mir bisher unbekannten Instruments, der Kora. Ein Mix aus Elektro, Roots Reggae sowie Percussion machten sie zu einem besonderen Act. Bei diesem ziemlich talentierten und hübschen Menschen ist mir ein tolles Foto gelungen, welches ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Ba Cissoko

Ba Cissoko

Nach vier Tagen Festival wurde es Zeit sich im Norden „Nungwi“ von Sansibar für kurze Zeit zu erholen und Kraft für die Rückfahrt zu sammeln. Regelrechte Traumstrände wurden entdeckt. Hier ein kleiner Eindruck vom paradiesischen Teil Tansanias mit glasklarem Wasser, eigenartiger Fischpopulation (aber lecker)

Samaki

Samaki

und feinen Sandstränden. Jetzt tut der lange Winter in deutschen Landen bestimmt noch ein bisschen mehr weh, tröstet euch bei euch kommt bald der Sommer und bei uns die „kalte“ Regenzeit.

Strand im Norden

Strand im Norden

Zu guter letzt gibt es nach unser Rückkehr noch eine traurige Nachricht für das Kinderdorf und speziell für mich. Ich muss schweren Herzens meine liebe Mitbewohnerin Christa auf den Weg nach Deutschland zurückschicken. Wir hatten eine wunderschöne Zeit, ich hatte eine tolle Sorgenpuppe, so dass soviele Sorgen gar nicht entstehen konnte und sage deswegen hier schon einmal lieben Dank für deine tolle Gesellschaft und dieses entspannte Zusammenleben mit dir, Christa.
See you THIS year in Dachau. Nitafurahi sana kukutana Tansania, rafiki yangu.

Aber langweilig wird es nicht werden. Nächste Woche reisen für einen Monat Ärzte von der Organisation „In Vivo“ aus Konstanz an, die in Richtung Traumatherapie arbeiten und sich um unsere Sorgenkinder und alle anderen kümmern sollen. Das Kinderdorf wird so in einem Langzeitprojekt für mehrere Jahre begleitet. Großartig! Das ist unserem Chef Ingo zu verdanken und wird bestimmt eine spannende Zeit.
In zwei Wochen sind Jan und ich dann auch schon wieder in Arusha auf (Zwischen-) Seminar, um unsere bisherige Arbeit kritisch unter die Lupe zunehmen. Es ist und bleibt spannend….und ich freue mich, dass ihr fleißig mit lest.

Mwezi wa pili ilikwanza…(der Februar hat begonnen…)

Februar 2nd, 2010 admin

…und es gibt schon wieder eine Menge zu berichten, wo man doch eigentlich meint das Dorfleben folgt einer gemächlichen Langsamkeit. Tut es auch und trotzdem gibt es für uns Wazungus immer neue Erkenntnisse. Jede Reise bietet auch immer tausend Möglichkeiten neue und interessante Menschen kennen zu lernen und so bin ich auf meiner Rückfahrt von Mbeya Patrick begegnet, einem ehemaligen Soldaten, welcher im Kosovo war und von dieser Zeit ein schlimmes Trauma mit nach Hause gebracht hat. Jetzt lebt er in Mbeya verteilt Aidsmedikamente in tansanischen Dörfern und begleitet Aidskranke, die von der Dorfgemeinschaft verstoßen wurden, bei ihrem letzten Weg. Er hat von einem 16 jährigen Mädchen erzählt, der er nicht mehr helfen konnte, außer sie in den Arm zu nehmen und ihr so das Gefühl zu geben, geliebt von dieser Welt zu gehen. Diese Geschichte hat mich doch sehr berührt und ich war von Patrick und seiner Arbeit sehr angetan. Aids ist in Tansania, wie in vielen afrikanischen Ländern ein großes Problem, von dem wir bisher im Alltag eher wenig mitbekommen haben (außer das wir mit Aidswaisen arbeiten, deren Vorgeschichte wir kennen). Es wird einfach nicht thematisiert und wenn ein Mensch jung stirbt, dann zumeist an einer Krankheit, die, aufgrund der Immunschwäche Aids, einen gravierenden Verlauf nimmt. Ein einziges Mal hab ich mit Alberto, einem unserer Mitarbeiter, über das Thema gesprochen. Die Region Mbeya im Süden von Tansania, wo auch Patrick arbeitet, ist weit schlimmer betroffen als die Gegend Iringa. Dort hab ich auch zum ersten Mal Plakate mit der berühmten roten Schleife zur Aidsprävention am Wegesrand einiger Dörfer entdeckt. Allerdings sprechen die vielen Waisenhäuser, die es in Tansania fast überall gibt ihre eigene Sprache.   
Aber natürlich verfolgt einen das Thema doch im Alltag. So hat Irene nun die Schuluniformen für die Kinder schneidern lassen. Alle waren unheimlich stolz und natürlich ist so ein Ereignis (anprobieren, Foto etc.) toll für die Kleinen, da es nun ernst wird mit der Schule (so wie bei uns die Schultüte eben…).

Stolze Kinder & fragliche Rituale

Stolze Kinder & fragliche Rituale

 Und trotzdem saßen zehn Kinder unter unseren mittlerweile 70 Kleinen, deren Eltern bzw. Großeltern sich dieses Kleidungsstück nicht leisten konnten. Sie mussten sich auf die andere Seite setzen und wurden nochmal kräftig ermahnt ihre Eltern (Großeltern) an das Geld zu erinnern. Natürlich war das auch mit Tränen verbunden und Irene wollte diese Kinder systematisch vom Kindergarten ausschließen.Seitdem bin ich kein Fan von Schuluniformen als Ausschlusskriterium für die Kinder mit zu wenig Geld. Die Kinder sind immer noch dabei und wir pfeilen an der Möglichkeit ein paar Spendengelder dafür auszugeben. Trotzdem ist hier Vorsicht angesagt, weil das Geben von Spenden für Einzelpersonen natürlich auch viele Konflikte heraufbeschwören kann und Ungerechtigkeitsgefühle weckt. Die Anschaffung von Allgemeingut für den Kindergarten ist da einfacher. Der Unterricht läuft so seinen Gang und meine kleine Kindergruppe von nur 20 ist zeitweise ganz schön frech, wenn ich mich mit Ihnen durch das Land der kleinen Zahlen und Vokale kämpfe.

Das Land der kleinen Zahlen und Buchstaben
Das Land der kleinen Zahlen und Buchstaben
 Einige Rituale hingegen klappen schon ganz gut und so haben wir es heute geschafft mal einen ordentlichen Kreis für ganze 3 Minuten zu halten. Reichte zumindest für das Foto:-)!
Auf der Suche nach Disziplin

Auf der Suche nach Disziplin

Dagegen sind Unterrichtsgespräche immer noch schwierig, da die Kinder anstatt auf meine Frage zu antworten immer noch die Frage wiederholen. Nachsprechen ist nun mal der beliebteste Lernweg in tansanischen Schulen, dem ich mich dann doch ab und an wieder beugen muss. Ich wundere mich immer wieder, wie diszipliniert die Kinder dann doch sein können, wenn Irene das Zepter in die Hand nimmt.
Strenge Lehrer und disziplinierte Kinder

Strenge Lehrer und disziplinierte Kinder

Ein typischer Stundenanfang eines jeden Morgens in Mbigili. Simama vizuri! (= Steht ordentlich). 
…und nach so einem Vormittag bin ich schon manchmal ganz schön fertig, so dass der 35 Minuten Weg in der Mittagshitze eine grandiose Freude darstellt (meistens werden aus 35 ganze 60, da man sich an jeder Dorfecke noch über die aktuellen Befindlichkeiten der Familie austauscht). Und so sieht der Weg mit 10 Liter Wasser auf dem Kopf aus, denn das wurde uns neulich im Kinderdorf aus unerfindlichen Gründen abgestellt. Dann haben wir selber mal was mitgenommen.
Ein langer Weg
Ein langer Weg
Im Dorf Mbigili wird im Übrigen neben Kisuaheli die alte Stammessprache der HeHe gesprochen. Es hat mich einige Mühen gekostet schon wieder eine neue Begrüßungsformel zu lernen. Man begrüßt sich beidseitig mit Kamwene (Moin), geht dann über zu Unogage (Wie gehts?) und endet mit Ndimnofuhela (Alles gut, oder so ähnlich:-)). Unogage hab ich oft mit meinem alkoholischen Lieblingsgetränk Konyage verwechselt, was zu ausgiebigen Lachern geführt hat. Uppsss:-)!
Morgens begegnet mir auch manchmal eine Herde gemächlich dahin schleichender Kühe, die mich jedes Mal auf das nächste Maisfeld rennen lassen. Man weiß ja nie, wann so ein gehörntes Tier auch mal durchdreht. Ich glaube, manchmal denken die Tansanier, was ist das nur für verweichlichte Mzungufrau.
Verrückte Kühe
Verrückte Kühe
Am Samstag war dann Feldarbeit mit unseren Kids angesagt. Denn diese sollen a la Learning by Doing auf ihrem eigenen Feld mehr über den Ackerbau lernen. Ich hab dann einfach mal kräftig mitgeholfen und mich sogleich mit einem Termitenhaufen angelegt. Der zischende Haufen (die sind ohnegleichen Laut, wenn man die Biester stört) hat nur mir ein paar schmerzhafte Pinkelmale verpasst, obwohl ich mich mit ordentlichen Schuhen ausgestattet hatte. Im Gegensatz zu unseren Kindern, die in Flipflops oder barfuß übers Feld gelaufen sind. Versteh ich gar nicht, ist das auch wieder so ein Problem der Hautfarbe:-).
Termitenkampf

Termitenkampf

Meine Kamera hab ich vor lauter Schreck Florian in die Hand gedrückt, der sich erstmal in Selbstporträts geübt hat.
Starke Männer und das ohne Fitnessstudio

Starke Männer und das ohne Fitnessstudio

Und zack kam auch schon das Unwetter übers Feld gefegt. Das geht hier schneller als man denkt. Sonnenschein pur und sturmartige Regengüsse. Hier ein Vorbote zwischen den Bergen.
Wetterwechsel
Wetterwechsel
Und der Regen hielt dann doch bis in die kommende Woche hinein an. Die wenigen Regenjacken und Schirme wurden unter den Schulkindern verteilt und noch ein paar große Blätter aushilfsweise benutzt. Irene war sich da mit der angemessenen Schuhmode nicht ganz einig, aber klar war, dass die Wollsocken auf jeden Fall ins Sortiment gehören.
Wollsocke trifft Schuh
Wollsocke trifft Schuh
Jan und ich haben die Woche für eine Hospitation in der Primaryschool genutzt und durften einen tieferen Blick ins tansanische Schulsystem werfen. Ohohoh, ich weiss nicht genau, wie diese Kinder so wirklich lernen können. In meiner Klasse waren schätzungsweise 80 Kinder, aber nur 15 Bücher. Es wurde laut vorgelesen, so dass zwei Reihen in ein Buch gucken mussten. In die Bank gequetscht, nach hinten umgedreht, sich selbst verbogen und irgendwann abgeschaltet. Danach wurden die Fragen aus dem Buch auf die gleiche Weise abgeschrieben. Einen Stift hatte ich zufällig dabei, den ich gleich an ein stiftloses Kind weiter verschenkt habe. Die zweite Hospistunde haben Jan und ich dann gleich übernommen, da der Lehrer ins Krankenhaus musste. Englisch bilingual unterrichtet a la Jan und Wiebke mit dem Globus auf dem Tisch und total Mzungu verschüchterten Schülern. Eine Erziehung zur Mündigkeit, das Schlagwort meines Studiums, ist das auf jeden Fall nicht.
Ein bilingualer Versuch

Ein bilingualer Versuch

Am Wochenende drauf war ich dann in Daressalam zum Zahltag im Immigrationoffice und man sage und staune bisher ist alles ohne Ukiritimba (= Korruption) und wie besprochen über die Bühne gegangen. Die Aktion hat mich vier Stunden im I-amt, mindestens zwanzig Busfahrtstunden und ne Menge Nerven gekostet. Aber es hat sich gelohnt und wir holen nächste Woche unsere Resident Permit ab…hoffentlich. Nach der Aktion im Amt brauchte ich dringend Wochenende und hab mich in Dars Kulturzentrum gewagt, wo ich sogleich herausgefunden hab, wo es wirklich gute (wenn auch teure) Trommeln für den Kindergarten zukaufen gibt. Trommelkurse für weniger teuer im übrigen auch, oh wie schön. Im Handeln bin ich eigentlich nicht so schlecht, also gibt es nächste Woche viel Gepäck für die anstrengende Fahrt zurück.
Auf der Suche nach Musik

Auf der Suche nach Musik

Den Rest des Wochenendes hab ich dann am Kipepeo (Schmetterlingsstrand) von Dar verbracht, zu Bob Marley bei Vollmond getanzt, nen deutschsprachigen Rastafari aus Kenya kennen gelernt und nen Studenten aus Leipzig sowie alle münsteraner Freiwilligen aus Iringa getroffen. Reisen ist manchmal ganz schön aufregend.
Aber jetzt bin ich wieder zurückgekehrt ins beschauliche Mbigili, werde am morgigen Tag meine Sachen in heller Freude packen und mit Christa in eines der Kinderhäuser umziehen, wo wir uns ein gemeinsames Bett teilen. Wir müssen alle zusammenrücken, denn bald steht ne Menge Besuch aus dem kalten Deutschland an, aber dazu ein anderes Mal
Einen Blick in den afrikanischen Sternenhimmel und ich schicke verzauberte Grüße gen Europa in der Hoffnung, dass der ein oder andere in den gleichen schaut.

Ein neues Jahr hat begonnen….

Januar 17th, 2010 admin

….oh Schande wo soll ich nur anfangen, nachdem ich solange den Blog hab brach liegen lassen. Nun ja zunächst erstmal ein Nachtrag zu den nächtlichen Aktivitäten in meinem Zimmer. Meine Zimmergenossin die Fledermaus wurde erfolgreich evakuiert und ward als bald im Schuppen auch nicht mehr gesehen. Ingo hat mir dabei tatkräftig geholfen und sich gleich mit dem Prachtexemplar ablichten lassen.

Ingo und die Maus

Ingo und die Maus

Aber nicht nur Fledermäuse laufen einem hier über den Weg, sondern auch andere Exemplare einer interessanten Tierwelt und so wird das wohl heute ein Special in meinem Blog. Ich will nicht wissen, was einen hier sonst noch alles beobachtet, aber laut dem “Schwarm” (meine derzeitige Lektüre) könnte es sein, dass wir unter stetiger Beobachtung stehen. Es macht fast so den Anschein…die Gottesanbeterin war zumindest mehr als neugierig und hat direkt ins Kameraobjektiv geschaut. Schönes Foto eines wirklich faszinierenden Tieres.

Gottesanbeterin

Gottesanbeterin

Jan hat in seinem Jugendlichen Leichtsinn auch nicht halt vor dem dicken Tausendfüßler gemacht und keine Berührungsängste gehabt.

 

Tausendfüßler

Tausendfüßler

Ich bin da eher vorsichtig und das ist auch gut so. Den Ingo sprach im Nachhinein die große Warnung aus. Diese Gattung ist wohl nicht ganz ungefährlich.Na Jan, gut das du nicht so doll gekuschelt hast. Weitere auch kulinarische Köstlichkeiten der kleinen tansanischen Tierwelt folgen.

Aber jetzt erstmal zu dem auch für mich interessantem Essen aus unserem Kinderdorf. Gloria beschäftigt sich gerade mit ihrer Zwischenmahlzeit “Kande”, einem Mischmasch aus Bohnen und Mais. …und mein persönliches Lieblingsessen. Eigentlich total lecker, auch wenn man ihr das nicht wirklich ansieht.

Kande

Kande

Gloria gehört eigentlich nicht offiziell zum Waisenhaus, aber da unsere Hausmamas zum ersten Mal in ihrem Leben Urlaub machen durften und zwar auf Sansibar, hat ihre Mama Gloria in unsere Obhut gegeben. Viele Mamas haben ein Jahr von ihrem Gehalt einen kleinen Betrag gespart und so konnte mit einem kleinen Zuschuss die Reise finanziert werden. Ihr könnt euch ja vorstellen, wie groß die Aufregung war. Wirklich toll! Und so hab ich  Gloria gleich eingespannt und in den Ferien mein Montessorimaterial für den Kindergarten hergestellt.

Zahlen und Buchstaben zum Fühlen

Zahlen und Buchstaben zum Fühlen

 

Ich muss mich an dieser Stelle nochmal bei allen tollen Menschen aus Deutschland bedanken, die mir noch eine Spende im Nachhinein gegeben haben. Diese wird konkret in den Kindergarten fließen. So konnte ich bisher Bastelmaterial, Hefte, Besen, Sitzmatten und die kleine medizinische Versorgung (Behandlung von Pilzen, Erste-Hilfe-Kasten) sicherstellen. Ich bin total begeistert. Geplant ist auch noch die Anschaffung von zwei Fahrrädern, die Irene und ich für den Weg für die Schule benutzen werden und nachmittags für den Milchverkauf im Dorf, welches die kleineren Jungens übernehmen. Zunächst müssen die Fahrräder aber erstmal ins Kinderdorf kommen. Das wird eine schöne Radtour von 40 Km und das wo Frauen hier eigentlich gar nicht Fahrrad fahren. Nun ja aber ich als Mzungu hab ja doch oft eine Sonderrolle, neben meiner unverständlichen Joggerei kommt jetzt auch noch das Radel dazu:-). Das mit dem Radfahren könnte auch ein Vorteil sein. Vielleicht schaffen Jan und ich es dann zur WM zur Spielübertragung schneller ins Dorf. Aber vielleicht passieren ja noch Zeichen und Wunder und irgendwo taucht ein Fernseher auf. Unsere Kinder finden Fussball nämlich auch toll und Jan und ich wollen diese grandiose Ereignis gleich mit ein bisschen Geographiekunde verbinden. Im Übrigen macht selbst vor der Markthalle in Mbeya die Fussballbegeisterung nicht halt. Das Outing meines hübschen Chapatimanns wurde auch gleich über die Wand kommuniziert.

Vorbereitung auf die WM

Vorbereitung auf die WM

Zu guter Letzt noch zu unser neuen Sucht, BAO. Ein tolles afrikanisches Brettspiel für entspannte Abende im Kinderdorf oder anderswo. Tolles Spiel, die Regeln findet ihr bestimmt im Internet und es lohnt sich wirklich mal ein bisschen afrikanisch zu spielen.

Spielbrett Bao

Spielbrett Bao

Wir hören sehen uns in zwei Wochen und dann erzähl ich euch, ob das mit der Resident Permit auch ohne Korruption geklappt hat.

Tutaonana, Rafiki Yangu!

(Bis bald meine Freunde…kleine Schritte aus der Sprachlosigkeit..jeden Tag ein bisschen besser)

ZWISCHENZEIT

Dezember 28th, 2009 admin

Weihnachten ist vorüber und es war wirklich ein schönes Fest. Viele Hausmamas und auch Kinder sind über Weihnachten zu ihren Verwandten gefahren, so dass wir nur noch ein kleiner Kreis von dreißig Leuten waren. Dafür haben uns Roland und Anja (Familie von Christa) besucht, so dass die Weißen in Amani ganz schön präsent waren. Weihnachten wird in Tansania am 25ten gefeiert, so dass wir am 24 “nur” zur Nachtmesse gegangen sind und uns auf den nächsten Tag gefreut haben. Die Kirche dauerte geschlagene drei Stunden, in denen ich außer “Mungo”(Gott) und “Baracka” (Segen) herzlich wenig verstanden habe. Nun ja ich bin ja auch erst ein paar Wochen hier…mal sehen, was mein Kisuahelilehrer heute noch bewirken kann. Dafür gabs am 25ten ein fürstliches Essen aus frisch geschlachteten Meerschweinchen, Kaninchen und der armen Ziege. Das war ein Festmahl, auch für mich, denn die Beilagen waren trotzdem total lecker. Nach dem Essen gabs dann erstmalig von den Freiwilligen plus Anja ein Krippenspiel, wobei die Studenten, Mitarbeiter und Kinder, die Hauptrollen übernommen haben. Edgar (König), Florian (König), Theresia (Malaika = Engel), Wile ((Hirte) – v.l.nach r.).

Schauspiel in Tansania Schauspiel in Tansania

Haben sie wirklich toll gemacht für einen Tag üben. Und wir haben eine Tradition erschaffen. Eine neue Aufgabe für Jan und meine Nachfolger.
Irene hat die Maria gespielt und passt nebenbei hervorragend unter unseren mühevoll geschmückten Baum. Bitte sitzen bleiben.

Teacher Irene

Teacher Irene

In der ZWISCHENZEIT haben Olli und ich neben Kinderbelustigung auf den kreativen Pfad begeben und ein Video zu dem Lied “Delmenhorst” von Element of Crime im Dorf Mbigili mit uns als Hauptdarstellern gedreht. Großartig und das beste ist, dass unsere Lieblingsduka (= Kiosk) drin vorkommt. So konnten wir unser traditionelles Sodatrinken noch ein letztes Mal zelebrieren, bevor Olli sich auf den langen Weg nach Deutschland macht. Als Dankeschön haben wir der Dukafrau, die Seifenblasen überlassen. Sie kam uns noch hinter her, um zu fragen, wie das denn funktoniert mit den Seifenblasen machen. Auch die Chekechea Kinder aus meiner Klasse waren sofort vor Ort und haben uns brav und voller Begeisterung mit “Good Morning, Teachers” begrüßt und die Numbas aufgesagt. Das Lob ich mir….:-). Das sind meine liebsten Rabauken (siehe Foto), Ludovik und seine Schwester Lau.

Ludo und LauLudo und Lau

Das Video war ein toller Erfolg. Es muss nur noch geschnitten werden.
Zum Abschluss noch ein kleiner Eindruck von der skurilen Tierwelt Tansanias. Dieser Frosch verändert seine Farbe je nach Umgebung.

KaugummifroschKaugummifrosch

Ich dachte ich fasse in ein Kaugummi, dem dann doch nicht so war. Igitt. Später hat Ingo noch eine Schlange gefangen, der als bald mein Kaugummifrosch zum Fraß vorgesetzt wurde. Pole Sana!

Schlange und KaugummifroschSchlange und Kaugummifrosch

Die Schlange hat die Käfighaltung trotzdem nicht überlebt. Wildtiere sind dafür nun mal nicht gemacht, nicht wahr Ingo? Ansonsten hab ich mein Nachtlager vor wenigen Tagen mit einer Fledermaus geteilt, die mich um meinen Schlaf gebracht hat. Zwei Flugrunden und “klatsch”…wieder einen Platz an meinem Moskitonetz gefunden. Hätte Ingo mir nicht erklärt, dass Fledermäuse, die harmlosesten Tiere ever sind, hätte ich es der Schlange gleichgetan und wäre unter meinem Netz elendig eingegangen. Jetzt hat die kleine Maus einen neue Bleibe im Schuppen gefunden.
So, ich hoffe ihr lasst es Silvester ein bisschen knallen, aber bitte nicht so laut ich will unter meinem Sternenhimmel nicht gestört werden. Rutscht gut rein, bis bald!